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Wie klingt Gentrifizierung?
Im Rahmen des „Favourite Sounds Project“ von Peter Cusack erstellt Prof. Sam Auinger zusammen mit Studenten des Studiengangs Sound Studies der UdK Berlin Projekte, die sich mit der Geschichte und den stadträumlichen Veränderungen zweier Orte am Prenzlauer Berg befassen. Am Kollwitzplatz und dem etwas südlicher gelegenen Schendelpark entstehen Arbeiten, die versuchen mit vergangenen oder entfernten klanglichen Situationen zu konfrontieren oder die Lebensräume an den beiden Orte auditiv zu erkunden.

 

Max Baginski, Kyan Bayani, Anna BognerKlaus Hamlescher, Guillermo Lares, Martin Lutz
Vierundzwanzig Stunden Schendelpark
4-Kanalige Klang-Installation, Max-Patch.
In Echtzeit werden aus einer 24 stündigen Originalaufnahme über eine im voraus erstellte Datenbank nach verschiedenen Parametern kurze Stellen ausgewählt und der Aufnahmezeit nach wiedergegeben.

Stereoversion, bei der jeweils die geringsten Pegel pro halbe Stunde ausgesucht wurden:

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Kann man Veränderungen und wechselnde Aktivitäten eines Ortes im Verlauf hörbar machen? Können Langzeitaufnahmen, die über einen Zeitraum von einem Tag und mehr entstanden sind, so in der Zeit komprimiert werden, dass die Verbindung zum Ort nicht verloren geht? Im Gegensatz zur Zeitraffung im Film, der vom Wesen her schon fragmentiert ist, lässt sich Tonmaterial nicht so einfach in der Zeit komprimieren. Eine einfache Beschleunigung führt bei dieser Länge zu Tonhöhenveränderungen bis in den nicht mehr hörbaren Bereich. Bei der Verwendung nur sehr kurzer Stücke, sind diese als Klänge sehr bald nicht mehr zuordenbar. Es entstehen neue Klänge, die keine Informationen mehr über den Aufnahmeort in sich tragen.
Ein Teil des Projekts ist die Entwicklung eines Max-Patchs, welches diese Teilung und Zusammenfassung nach bestimmbaren Parametern vornimmt. Durch die große Länge der Originalaufnahmen lassen sich diese nur schwer durchhören und von Hand selektieren. Durch Experimentieren mit mehr oder weniger sinnvollen Parametern für die Auswahl oder Filterung und der linearen und nichtlinearen Zeitkomprimierung, werden schließlich mehrere vierkanalige Ton-Stücke erzeugt. Das dabei entstandene Werkzeug (Max-Patch) soll auch für andere Orte und Aufnahmen über einen wesentlich längeren Zeitraum anwendbar sein. Es soll und kann nicht die Erfahrung vor Ort ersetzen und die Ergebnisse müssen immer wieder mit diesen Erfahrungen verglichen werden. Aber es kann eine Möglichkeit sein, Veränderungen eines Ortes nicht nur verbal oder in grafischer Form zu vermitteln.  Die generierten Stücke können auch auf vorher nicht gehörte Gegebenheiten hinweisen, die vor Ort noch zu überprüfen sind.

(Text: Klaus Hamlescher)
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modul I
| 30. Juni 2012

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