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Studio Urban Resonance: Valeria Merlini / Olaf Schäfer

Das Projekt ist eine künstlerische Forschungsarbeit, die sich mit dem Klang der Großstadt Berlin auseinandersetzt. Im Fokus der Untersuchung steht die These, dass ein Bewusstsein für den Klang der Stadt, durch eine konfrontative Gegenüberstellung zeitgemäßer Klänge mit lautlosen historischen Klangsituationen eröffnet wird.
Als Architekten, Stadtplaner und Klangkünstler, die sich in ihrer Arbeit für eine auditive Ausdifferenzierung städtischer Situationen und Räumlichkeiten verantwortlich fühlen, stehen wir der Problematik gegenüber, dass die architektonische und stadtgestalterische Planungs- und Analysepraxis selbst noch nicht die medialen Werkzeuge entwickelt hat, um die hörbaren Belange der Stadt reflektieren und kommunizieren zu können. Unsere Problematisierung der Repräsentationsform von Soundscapes stellt diese Frage auch an die Forschungen beispielsweise von Murray Schafer oder Alain Corbin. Sie griffen auf das Speichermedium der Sprache, genauer, auf in Schrift fixierte Dokumente zurück, um den historischen Klang aufzuschließen. Heutzutage können Klänge als Klang selbst dokumentiert, verarbeitet und wieder zugänglich gemacht werden. Sie selbst können somit eine typische und typologische Auskunft über die Klangsphäre einer Stadt geben. Womit jedoch die Klänge aus der Geschichte immer noch außer Hörweite liegen und die Klänge selbst noch nicht ihre eigene Reflexionsebene ausbilden.

Die Studie Symphonie der Großstadt begibt sich auf die Suche nach der tatsächlichen Symphonie der Großstadt, die aus dem Lärmen der Bewohner und den Maschinen, Verkehrsmitteln und Gerätschaften, die sie bedienen und benutzen, emporstieg und steigt. Am Ausgangspunkt steht der Stummfilm des deutschen Künstlers, Architekten und Filmregisseurs Walter Ruttmann „Symphonie einer Großstadt“ der ein Tag im Leben der Stadt Berlin und seiner Bewohner dokumentiert und inszeniert. Für den auditiven Sinn bleiben die Bilder der Stadt in diesem Stummfilm jedoch lautlos. Der Klang der Stadt wird auf der auditiven Ebene nicht mitgeteilt.
Die Forschungsarbeit greift den 60minütigen Stummfilm als ein Klangdokument auf, und hört die Bilder des Filmes wie Notenblätter einer Partitur. Der historischen Bildinszenierung der Klangverursacher, beispielsweise Straßen mit Straßenbahnen, Bussen, Passanten oder Hunden, werden die Klängen der heutigen Stadt Berlin gegenüber gestellt.
Medial synchron aber inhaltlich um mehr als 80 Jahre zeitversetzt ergibt sich eine sinnlich wahrnehmbare Diskrepanz. Diese eröffnet als antithetisches Prinzip der visuellen und der auditiven Filmspur sowohl Aussagen, wie die Stadt heutzutage klingt, und mindestens auch, wie die Stadt aus den Bildern nicht klingt. Die These der Arbeit ist, dass jedoch dahinter eine Aussage getroffen wird, wie die Stadt Berlin in den 20er Jahren tatsächlich geklungen hat. Diese Erkenntnisbildung wird an den Rezipienten übergeben, der als Betrachter und Zuhörer durch die Brechungen aktiviert wird. Die beiden Modalitäten des Films ermöglichen dem Rezipienten zwei in unterschiedliche Richtungen weisende Hörweisen. Zum einen hin zur zeitgemäßen und damit tatsächlichen Klangebene des Films, zum anderen hinein in die nur stumm dokumentierten Klänge, die in der Thematisierung ihrer Auslassung zur Sprache kommen.
Der vertonte Stummfilm dient als in­tegrierendes lnstrument zur Ausbildung sowohl eines historischen Bewusstseins als auch einer Sensibilisierung für die Zeitgemäße Klangsphäre. In einer weiterführenden Analyse und Auswertung der Zuschauer und –Hörerreaktionen lässt sich Kulturelle und gesellschaftliche Erkenntnis erhalten.

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Jedes der Module wird mit einem Segment dieses Projektes eröffnet.

modul I | 30. Juni 2012
modul II | 14. Juli 2012
modul III | 18. August 2012